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Kenzie war ja nun
von Anfang an bei jeder meiner Trainingsstunden mit auf dem Hundeplatz. Das
erste, was sie lernen musste, dass sie nicht immer die erste Geige spielen kann.
Gar nicht so einfach für einen jungen Hund, Typ Aussie mit Borderblut in den
Adern. Egal, wenn ich unterrichte, müssen die Hunde – so wie im richtigen Leben
ja auch – einfach mal warten. Diese erste Lektion hat Kenzie ganz schnell
gelernt und wartet seither, nach außen hin ruhig, innerlich aber vor Aufregung
zitternd auf ihren (!) Einsatz… und wehe, wenn sie dann losgelassen wird…
Ich habe mich
bemüht, und tue es immer noch, Kenzie langsam und ganz ruhig an die Hindernisse
ranzuführen. Kenzie hat aber definitiv eine andere Vorstellung von „langsam“
und so gestaltet sich das Training mit ihr eher schwierig. Sie lernt rasend (in
zweierlei Hinsicht) schnell, (anfangs niedrige) Hindernisse, Reifen, Tunnel,
egal ob gerade oder gebogen, Gassenslalom, abgerufen, mitgelaufen, rechts oder
links geführt, alles kein Problem – aber offensichtlich manchmal einfach zu
langweilig… Nachdem Kenzie dutzende Male durch die Tunnel geflitzt ist, war sie
plötzlich der Meinung, das könnte auch anders gehen und balancierte fortan im
Sausetempo auf unserem 6m – Tunnel, und zwar von dessen Anfang bis zum
Ende (ich habe den korrekten Eingang dann geclickert und der Spuk war dann auch
ganz schnell wieder vorbei).
Oder der Reifen
(ich habe einen, der in einem Rahmen an Ketten aufgehängt ist, also nach oben,
unten und zur Seite viel Platz lässt, zwischen Reifen und Rahmen
durchzuspringen), den hat sie auch sehr schnell sehr sicher links und rechts
geführt oder geschickt gelernt. Aus heiterem Himmel saß ihr eines Tages
offensichtlich der Schalk im Nacken und sie probierte das „Überspringen“ des
Reifens aus – also oben zwischen Reifen und Rahmen, der Reifen war auf
„Maxi“ – Höhe eingehängt. Na ja, auch dieses „Problemchen“ haben wir flugs
weggeclickert. Aber offensichtlich muss Kenzie alles einmal probiert haben, um
zur Überzeugung zu gelangen, der trainierte Weg ist dann doch der richtige.
Ihr könnt Euch
denken, dass enge Wendungen, an die Hand kommen, ruhig auf Kontaktzonen stehen,
konzentriert auf die nächste Aufgabe warten usw. auch (noch) nicht Kenzies
„Ding“ sind. Kenzie ist im Parcours (aber auch im Alltag) das komplette
Gegenteil von Sheela, kurzum, sie ist ein „völlig bekloppter Border“ im Fell
eines Aussies, und uns steht ganz (!) viel Arbeit bevor. Diese möchte ich
zukünftig in Form eines (sporadisch geführten) Tagebuchs dokumentieren.
06.02.10: ich bin
baff!!! Kenzie hat heute erstmalig die A-Wand komplett und korrekt abgearbeitet.
Ich habe die Abgangskontaktzone ja über Clickertraining aufgebaut und Kenzie hat
die Rot-Grün-Position als solche verinnerlicht. Wenn Kenzie eine Kontaktzone
sieht, bietet sie aus dem freien Spiel heraus diese Position anJ
(das ist natürlich für die Parcoursarbeit nicht so toll, aber daran arbeiten wir
jetzt). Ich hatte in den vergangenen Wochen ein-/zweimal versucht, Kenzie die
Wand komplett überwindet zu lassen, aber mit viel (!) Schwung stand sie
letztendlich doch nicht am Abgang – korrigierte sich zwar rückwärts laufend
sofort, aber das ist unter Turnierbedingungen trotzdem ein DIS. Heute, nach
kurzem Abgangstraining, die komplette Wand – und – es hat super geklappt… ich
bin so stolz auf meine Maus J
Und noch etwas
habe ich heute angefangen… das „Außen“ um einen Pylon herum. Als Triebmittel
(und Belohnung) habe ich ein Bällchen verwendet, das „Außen“, also den Moment,
wo der Hund sich exakt um den Pylon windet, habe ich geclickert… ich war sehr
überrascht, wie schnell Kenzie die Aufgabe (nicht das Kommando!) verstanden hat
und glaube, dass ich ihr ruhig mal etwas mehr zutrauen könnte…
01.05.2010: Kenzie
und ich waren zum ersten Mal gemeinsam auf einem Seminar, „Motivation,
Triebaufbau und –Kontrolle im Alltag und im Parcours“ bei Thomas Berendt und ich
habe eine Menge Informationen mitgenommen. Nicht, dass ich das nicht wüsste,
aber in dem sehr ansprechenden Theorieteil wurde doch sehr deutlich, dass
Motivation zuhause und Parcoursarbeit auf der „grünen Wiese“ beginnt. Im
Praxisteil durfte (und sollte) Kenzie dann „Gummi geben“. Ich war sehr erstaunt,
wie führig sie hierbei war. Obwohl - oder gerade deshalb – ich sie, die eh schon
hoch im Trieb steht, noch mehr anstacheln und anfeuern sollte, suchte sie
ständig „Kontakt“ zu mir, weil ich, mit Triebmittel in der Hand und dem
Versprechen, am Parcoursende doll mit ihr zu zergeln, für sie so unglaublich
interessant war.
Natürlich hat
nicht alles geklappt, zumal Kenzie zuvor nie einen kompletten Parcours gelaufen
ist, aber an den Kontaktzonen (auch am nicht austrainierten Steg!) stand sie wie
eine Eins, trotz viel, viel Zug über die Zonenhindernisse. Nie mit Kenzie geübte
Wechsel (Ketschker, Change) funktionierten, wenn auch nicht immer auf Anhieb.
Klassische und französische Wechsel an langen Laufstrecken kein Problem und
Kenzie lässt sich wirklich prima schicken. Ich konnte nach langer Laufpause
plötzlich wieder früher (mit Sheela) trainierte Bewegungsabläufe abrufen und
auch Sheela mal „vergessen“. Die Gedanken an unsere einst im Parcours so tolle
Teamarbeit und an Sheelas Leichtführigkeit blockieren nämlich die Teambildung
von Kenzie und mir. Aber hier habe ich auf diesem Seminar einen ersten ganz
großen und wichtigen Schritt geschafft und ich freue mich riesig auf weiteres
Training und zukünftige Seminare…
24.05.2010: wir
haben zum ersten Mal „ernsthaft“ an einem Funturnier teilgenommen. Letztes Jahr
sind wir zwar auch zweimal gestartet, aber da konnte Kenzie keine vier
Hindernisse am Stück abarbeiten und ich wollte ihr eigentlich nur mal
Turnieratmosphäre nahe bringen. Auf „eigenem“ Platz sind wir in einem
Teilnehmerfeld von 15 A0-Teams gestartet. Und da ich reichlich mit der
Turnierorganisation beschäftigt war, hatte ich nicht mal Zeit, aufgeregt zu
sein. Im A0-Lauf, bestehend aus 12 Hindernissen (inkl. A-Wand und Gassenslalom)
hatten wir zwar einen Fehler (Zögern am Tunneleingang, weil wir fast das falsche
Tunnelloch erwischt haben), aber alles andere hat geklappt, insbesondere meine
geplanten Wechsel. Kenzie stand an der Zone (mal wieder) wie eine Eins, ließ
sich prima weit voran in einen Tunnel schicken, ich konnte mich gut absetzen und
wechseln. Den Eingang des Gassenslaloms hat sie völlig selbstständig gefunden
(war aber auch einfach…). Im Jumping hat sie dann mal wieder den Propeller
eingeschaltet J
und wirbelte nach dem Tunnel mal kurz, aber kräftig um mich rum… Folge: DIS.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass wir ein gutes Team waren und beide sehr
viel Spaß am Laufen hatten.
13.06.2010: Wir
waren erfolgreich auf dem Funturnier beim Agility Club Wiesbaden unterwegs… zwar
zwei Fehler im A-Lauf, aber fehlerfrei und rasend schnell im Jumping, insgesamt
Platz 1!
25.07.2010:
Kenzie läuft den Turnierslalom!!! Sie arbeitet ihn selbstständig ab, findet
(meistens!) den richtigen Eingang und ist vor allen Dingen super flink dabei.
Nun gilt es, den Slalom zu festigen!
08.08.2010: Nach
anfänglichen Schwierigkeiten wegen des lauten Aufpralls der Wippe, läuft Kenzie
nun zumindest mal die Wippe auf unserem Hundeplatz. Obwohl sie den Kipppunkt
sucht (und das wollte ich auch so!), ist sie auch beim Überwinden der Wippe
super schnell!
18.08.2010: Was
für ein tolles Training (bei Ute Grau – Agility Freunde Rhein-Main)… ich habe ja
Kenzie an den einzelnen Geräten und in kurzen Sequenzen alleine aufgebaut, da
ich wollte, dass sie ohne Druck lernt, diese alleine abzuarbeiten. Nun lässt
sich Kenzie aber bei Weitem nicht so „einfach“ führen wie Sheela und deshalb
habe ich eine geeignete Trainingsmöglichkeit gesucht. Seit Anfang Juni 2010
trainiere ich nun Führtechnik und Parcoursarbeit beim AFRM, und wir hatten, nach
anfänglichen Schwierigkeiten (aus diversen Gründen), nun heute, in unserer 8.
Stunde, ein tolles TrainingJ.
Schwierige Slalomeingänge, enge Wendungen trotz Verleitungen, „Welle“ aus
diversen Winkeln, „Ketschker“, fast alles hat geklappt und Kenzie ließ sich
super führen (sie ist nur einmal (!) einer Verleitung gefolgt, weil ich nicht
angemessen „gestellt“ habe). Ansonsten… soooooooooo super, und Kenzie ist mit
so wahnsinnig viel Elan und Spaß dabei!
Ich wünsche meinem
Kenzkind, dass sie genau diesen Spaß bei der Arbeit behält und werde meinerseits
auch Alles dafür tun (…und ggf. auch auf bereits gemeldete (Fun-) Turniere
verzichten, wenn ich das Gefühl habe, es könnte uns als Team eher
zurückwerfen…).
15.09.2010: wie so
oft… Freud und Leid liegen so dicht beieinander… Die beiden letzten
Trainingseinheiten liefen eher „suboptimal“, Kenzie machte „ihr“ Ding und zeigte
wenig Bindung. Enge Führsequenzen gingen gar nicht, Kenzie entschied für sich,
welchen Weg wir (also sie) einschlagen. Sehr, sehr frustrierend, achtet sie doch
irgendwie überhaupt nicht auf mich… Schlimmer noch, plötzlich empfinde ich Druck
im Nacken, und will, dass auch im Parcours, einzeln trainierte Elemente auf
Anhieb super klappen. Und plötzlich klappt der Slalom nicht mehr (Kenzie
verlässt den Slalom an Stange 10).
Leider baue ich
gerade – weil etwas zu ehrgeizig - viel zu viel Druck auf und entferne mich von
meinem Ziel, Kenzie positiv und freudig auf ihre Aufgabe vorzubereiten. Sie
quittiert dies mit Fehlern und ist im allgemeinen Umgang wieder unsicher. Daher
habe ich für mich entschieden:
… Training wieder
in kurzen Sequenzen und positiv belegen
… Sicherheit an
den Geräten durch Einzelgerätetraining festigen
… nicht zu viel
auf einmal erwarten
… gezieltes „an
mich heran arbeiten“ trainieren
… wenn Kenzkind am
Start völlig aufdreht, abbrechen und später noch mal versuchen
… den Spaß
wieder in den Vordergrund stellen (ohne das Erlernte in Frage zu stellen)
Somit stehen die
Inhalte unseres Wintertrainings fest… ich werde berichten…
19.09.2010: wir waren auf dem
Flutlichtturnier beim IRJGV in Wiesbaden. Kenzie lief ihr erstes A1, noch etwas
unrund, aber mit tollen Zonen und einem super Slalom (quasi blind aus dem
Sacktunnel und ohne zu zögern ab in den Slalom). Leider nahm sie aber einmal
einen falschen Tunnel und „kreiselte“ im Jumping und somit war's mal wieder
nix...
26.09.10: Wir waren
bei der HuSchu TAVA in Feilbingert beim Agility-Funturnier am Start... Kenzie
war super führig - trotz vieler Verleitungen im A-Lauf (ich habe mit einem
Tripple-DIS gerechnetJ
- wollte aber partout in beiden Läufen zumindest ein bisschen "ihren" Senf
dazugeben, was ihr dann auch gelungen istJ.
Im A-Lauf habe ich sie mit einer minimal unkorrekten Bewegung über einen
falschen Sprung geschickt, im Jumping, welches recht anspruchsvoll war, war ich
zum richtigen Zeitpunkt am falschen Platz. Macht nix, dafür waren die Läufe mal
richtig schön rund und flüssig…07.11. und 14.11.10: Wir sind sehr
erfolgreich beim Rhein-Nahe-Wintertraining in Feilbingert und Grünstadt
gestartet: In Feilbingert nur eine
Verweigerung am Slalom (ich habe sie vorbeigedrückt!) im A-Lauf (A1) und das Jumping fehlerfrei gewonnen.
Das reichte dann in der Kombiwertung für den 2. Platz. Da war ich schon
megastolz, aber es kam noch besser. In Grünstadt hatten wir zum ersten Mal zwei
fehlerfreie Läufe und konnten uns den Gesamtsieg im A1 sichern. Was für ein
toller Saisonabschluss...
20.03.11: Ach Kenz, das war wohl nicht so ganz unser Tag...
"Frühlingserwachen" in Heidenfahrt am Rhein, ein Saisonstartturnier für Anfänger
und wenig erfahrene Turnierläufer. Gestartet wurde in den Klassen A0 und
"besser" als A0 (A1 bis A3 zusammengefasst in einer Klasse). Wir starteten in
letzterer... der A-Lauf war sehr, sehr anspruchsvoll, viele sehr enge Wendungen
und die eine oder andere Verleitung. Wippe und A-Wand aus 180°-Winkel angeführt,
vor beiden je eine Verleitung. Nein, das war noch eine Nummer zu groß für uns
und 's Kenzkind wollte auch nicht am Steg stehen. Ich habe alle "DIS's"
hingenommen und mich bemüht, die Fehler (also meine) zu korrigieren, sodass wir
die Sequenzen dann doch hinbekommen haben. Das Jumping war dann die reinste
Versöhnung... ein sehr, sehr schneller Parcours, am Anfang ein wenig kniffelig,
dann ab durch die Mitte (also Rennstrecke geradeaus), ideal für uns, ich konnte
mich super absetzen. Null Fehler, sehr schnelle Zeit, 3. Platz im Jumping bei
mehr als 30 Teilnehmern :) 09.05.11: mein 4. Training (mit Kenzie) bei Sandra
Körber (Agility Team Wiesbaden) und schön war's... Sandra bemerkte schon im
letzten Training, dass Kenzie sehr, sehr fein auf meine Körpersprache reagiert -
mein Kenzkind, die stets brummte und kreiselte, arbeitet mittlerweile sehr
nuanciert mit mir! Heute dann ein paar, sagen wir mal "kniffelige" Sequenzen,
enge Wendungen, Verleitungen und zwischendurch immer wieder "Gib Gummi" -
Strecken, und tat frau dies nicht, wusste der Hund nicht wohin. Kenzie und ich
hatten drei Läufe, wobei der erste nicht ganz rund, aber alle drei völlig
fehlerfrei waren. Kenzie war extrem führig, achtete genau auf meine Signale, war
super schnell unterwegs (ich übrigens auch, sonst hätte das eine oder andere
"Außen" oder so mancher Wechsel definitiv nicht geklappt) und hatte auch keine
Probleme mit der Sprunghöhe (65 cm). Sehr gut gemacht, Lütte! |
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