|
Ich musste mal was
loswerden… Sheela leidet seit nunmehr über einem Jahr an immer wiederkehrenden
und variierenden Lahmheiten. Davon betroffen sind überwiegend das hintere rechte
und das vordere linke Bein. Meisten handelte es sich um leichtere, seltener um
starke Lahmheiten. Die Diagnosen und Behandlungen variierten entsprechend.
Seid September 08
zeigte sie verstärkt leichte Lahmheiten vorne links, sodass ich mir vorgenommen
hatte, beim erneuten Auftreten einen Fachtierarzt zu konsultieren. Im November
dann plötzlich akute Lahmheit hinten rechts. Die vorläufige Diagnose war
niederschmetternde, Verdacht auf Kreuzbandanriss, 10 Tage Metacam und dann
erneut gucken. Nach schlafloser Nacht meinerseits erholte sich Sheela
erstaunlich schnell und zeigte auch sonst keine typischen Anzeichen eines
Kreuzbandanrisses. Nach 10 Tagen dann die Entwarnung…
Zwei Wochen später
wieder leichte Lahmheit vorne links. Erneute Untersuchung vom Fachtierarzt ergab
zwar freie Gelenke, aber dennoch leichte Gelenkschmerzen im Ellenbogen vorne
rechts (!!!). Sheela bekam eine Cortison – Depotspritze (vier Wochen wirksam)
und ich den Hinweis, auf die Ellenbogen sollten wir mal achten. Ansonsten seien
erst mal keine weiteren Maßnahmen notwendig. 10 (!!!) Tage später akute Lahmheit
vorne links, erneuter Besuch beim Fachtierarzt, orthopädische Untersuchung ergab
Gelenkschmerzen in beiden (!) Ellbogen, einfache Röntgenbilder zeigten
Verdichtung der Knochenmaße (???) – eindeutiger Hinweis auf ED. Sheela hat eine
erneute Cortisonspritze und ich habe einen Termin für CT und ggf. gleich
anschließender OP sowie eine saftige Rechnung mit nach Hause genommen.
Da ich das alles
nun aber beim besten Willen nicht wahrhaben wollte, und den „Krankheitsverlauf“
doch als sehr untypisch für ED empfunden habe, bin ich mit den Röntgenbildern
unterm Arm zu einem weiteren Fachtierarzt gegangen, um mir eine zweite Meinung
einzuholen. Natürlich waren seiner Meinung nach die Röntgenbilder a) nicht
ausreichend und b) nicht eindeutig. Eine orthopädische Untersuchung hat er dann
zwar vorgenommen (und sich auch bezahlen lassen!), die aber wegen der Wirkung
der Depotspritze(n) natürlich zu keinem Ergebnis führte. Abwarten, bis die
Wirkung der Spritze nachlässt und dann weiter sehen. Aber auch hier der Hinweis,
dass weiterführende Untersuchungen unter Narkose und in diesem Fall
athroskopisch erfolgen müssten (auch ggf. gleich mit OP).
Vielleicht sollte
ich auch noch erwähnen, dass keiner dieser Fachtierärzte sich das Gangbild oder
den Rücken mal genauer angeguckt hat ;-((( Und dass weitere Untersuchungen mit
anschließender OP a) keine Garantie für eine endgültige Genesung und b) super
teuer sind, könnt ihr euch sicher denken…
Ich wollte die
mögliche Diagnose immer noch nicht glauben und habe mich entschieden, eine
(renommierte) Physiotherapeutin Sheela angucken zu lassen. Das war Mitte Januar
09.
Nach ausführlicher
Gangbildanalyse und Untersuchung aller Gelenke ergaben sich keine Hinweise, die
den ED Verdacht bestätigten. Alle (!) Gelenke sind frei beweglich und nicht
flüssigkeitsgefüllt. Dennoch zeigt Sheela leichten Widerstand beim Versuch, die
Ellenbogen passiv zu bewegen und die Schulterblätter sind fest (links durchweg
stärker betroffen als rechts). Der Übergang von Hals- auf Brustwirbelsäule
scheint „problematisch“. Im rechten Kniegelenk sitzt eine leichte Blockade.
Grundsätzlich scheinen die Probleme eher vom Rücken her zu kommen.
Auf Anraten der
Physiotherapeutin hatte ich eine Woche darauf einen Termin bei einer
ganzheitlich arbeitenden Osteopathin, die jede Beobachtung der Physiotherapeutin
bestätigte. Sie hat insgesamt drei Blockaden gefunden, eine kleine in der
Halswirbelsäule (eventuell „traumatisch“, entstanden nach Leinenruck oder
ähnlichem und möglicherweise schon länger vorhanden), eine im Bereich Übergang
Hals- auf Brustwirbelsäule, und eine im rechten Iliosakralgelenk. Die im Bereich
des Wirbelsäulenübergangs ist etwas kompliziert und spielt zusammen mit einem
Punkt im Bereich des Brustbeins (so ganz habe ich das nicht verstanden). Hieraus
resultieren möglicherweise auch die Festigkeit der Schulterblätter und die
muskulären Probleme rund um die Ellenbogengelenke. Als Ursache kommt eine
schwere „Bauchlandung“ von Sheela beim Ballspielen Anfang 2008 in Betracht. Die
Gelenke selber sind auch nach Ansicht der O. frei. Die Blockade im
Iliosakralgelenk ist möglicherweise eine Folge der anderen Blockaden. Die
fehlende Beweglichkeit von Ellbogen, Schulter und Iliosakralgelenk und die daher
sichtbaren Lahmheiten sind also offensichtlich eine Folge dauernder Schonhaltung
und damit verbundenem „falschem“ Gebrauch von Muskeln. Ich bin leider kein
Mediziner, aber ich hoffe, ihr versteht, was ich meine….
Die O. hat dann
die beiden vorderen Blockaden gelöst. Ich habe Sheela noch NIE so ruhig bei
einer Behandlung erlebt (immerhin weit über eine Stunde). Ich hatte den
Eindruck, sie hat es genossen. Sheela muss nun „neu“ laufen lernen, langsam und
gezielt, und die erlernte Dauerschonhaltung wieder vergessen. Hierzu darf sie
eine Zeitlang nicht belastet werden. Das wird „organisatorisch“ zwar nicht so
ganz einfach (Kenziekind springt hier ja auch noch rum ;-)), aber das schaffen
wir…
Die Moral von der
Geschichte: Natürlich weiß ich im Moment noch nicht, ob’s das jetzt wirklich
ist. Aber alle während der Untersuchung und Behandlung gemachten Beobachtungen
sind in sich schlüssig und passen in das Gesamtkrankheitsbild. Die gemachten
orthopädischen Untersuchungen konnten zwar den Schmerz als solches, nicht aber
seine Ursache erkennen. Ich hätte also beinahe Sheela operieren lassen, ohne
dass die wirkliche Ursache beseitigt worden wäre, ganz zu schweigen vom
möglichen anschließenden Teufelskreis von Schmerzursache und Auswirkung. Heute
bin ich jedenfalls froh, mich ausführlich und umfassend informiert zu haben und
nicht den „erstbesten“ und angeratenen Weg gewählt zu haben.
Drückt uns doch ein
bisschen die Daumen, dass Sheela bald wieder und langfristig mit Kenzie über die
Wiesen tollen und sich „sportlich“ betätigen darf.
Update, Heiligabend
2009:
Nach fast einem
Jahr osteopathischer Behandlung, ganz vielen Tiefen und nur wenigen Höhen heute
mal wieder ein Rückschritt…
Elf Monate
Therapie, anfangs mit Riesenschritten, dann mit noch größeren Rückschlägen.
Immer wieder Teilerfolge, keine Spannungen in gewissen Körperpartien, dafür
wieder andere völlig verspannt. Nach jeder Behandlung Schonung, ich wusste
schon, dass der Hundekörper wieder lernen musste, wenig genutzte, weil geschonte
Körperpartien, richtig einzusetzen. Dann im August 09 Tiefentherapie, Sheela in
der Krise… sie war nach einer Behandlung so lahm, wie nie zuvor. Alle Symptome
der letzten Jahre in Art und Umfang konzentriert auf einen Moment. Sie wollte
nicht einmal mehr aufstehen, als ihr Lieblingshausmeister unser Büro betrat. Da
wollte ich – nicht zum ersten Mal - wirklich alles hinschmeißen…
Sheela war im
„Umbau“, vielleicht hatte sie sogar Muskelkater in den so lange geschonten
Muskeln. Eigentlich konnte ich dieser Veränderung sogar zusehen. Sie wurde und
lief „runder“, die Haarwirbel auf der Wirbelsäulenlinie verliefen nicht mehr
neben L,
sonder auf dieser, Sheela lief nicht mehr so viel travers (also schief), ihre
Tritte wurden raumgreifender.
Aber der große
Durchbruch wollte einfach noch nicht gelingen, und im November hieß es mal
wieder Schonung… Sheela durfte ja eh schon nicht mehr Agility machen, Bällchen
spielen und Dummyarbeit waren ebenfalls tabu, wilde Kenziespiele sollten
vermieden werden und dann… achtwöchiges Buddelverbot!!! Buddeln war eigentlich
das Letzte, was Sheela geblieben war… das war mein Zusammenbruch, heulend stand
ich fragend da, was darf der Hund denn überhaupt noch? Ich weiß nicht, wer von
Euch schon mal in den toten Blick eines arbeitswilligen Hundes geguckt hat, der
NIX mehr zu tun hat. Sheela war degradiert zum „Dabeisein“, was sie gerne macht,
aber eben nicht nur… .
Ich war mir nicht
sicher, ob ich eigentlich wirklich noch in Sheelas Interesse handelte, hatte der
Hund doch eigentlich nichts mehr, was ihm wirklich Spaß machte. Ja, ich
überlegte, alles abzubrechen, und Sheela, solange es halt schmerzfrei ging,
wieder alles, was sie so sehr liebt, machen zu lassen. Anderseits hatte ich mich
ja bewusst gegen eine reine „Symptombehandlung“ entschieden und so gab ich uns
eine Chance.
Sheela hat acht
Wochen nicht (!) gebuddelt (und sie wird es zukünftig auch nicht!), zum ersten
Mal haben sich ihre Verspannungen nicht verlagert, sie läuft eigentlich sehr
locker. Wenn Sheela früher buddelte, bildet ihre Wirbelsäule fast einen rechten
Winkel und jede Verspannung muss sich über die Wirbelsäule auf andere
Körperteile übertragen haben.
Sheela durfte
kurzzeitig wieder Dummytraining machen und mal wieder unseren „Schülern“ zeigen,
wie es beim Agi so läuft. Leider lahmt sie seit heute wieder ganz stark, vorne
links, nur unmittelbar nach dem Aufstehen und ich weiß nicht, ob das was mit der
Ursprungsproblematik zu tun hat, aber leider sind wir immer noch nicht „über dem
Berg“…
Update, Sonntag, 17. Januar 2010
Sheelas akute
Lahmheit unmittelbar nach dem Aufstehen wurde (und wird) einfach nicht besser,
sodass ich mich vergangenen Dienstag – nach wiederholt schlaflosen Nächten –
dazu entschlossen habe, Sheela unter Vollnarkose durchröntgen zu lassen. Letzten
Donnerstag war es dann soweit…
Grundsätzlich
versuche ich, jede Narkose, so es irgend geht, zu vermeiden. Hier ging es nicht
und ich habe mich bemüht, meine eigene Unsicherheit nicht an Sheela
heranzutragen, was mir auch GsD ganz gut gelungen ist. Ich durfte bei ihr
bleiben bis sie tief eingeschlafen war (und übrigens war ich natürlich auch beim
Aufwachen bei ihr).
Geröntgt wurden:
v
beide Ellenbogen in
jeweils allen drei zur (voraussichtlichen) Erkennung von ED notwendigen Ebenen,
v
die linke Pfote,
v
der Übergang
Hals-/Brustwirbelsäule und
v
die Hüfte.
Das Ergebnis:
Die knöcherne Struktur ist überall okay, keinerlei (!) Anzeichen für ED, keine
(beginnende) Arthrose, Hüfte gerade noch "B", keine direkten Hinweise auf die
immer wieder auftretenden Lahmheiten, aber
v
leicht schiefes Becken
(Geburtstrauma? Welpi am Hinterbeinchen aus dem Mutterleib gezogen? Dicker Hund
auf Welpi gesessen?) und
v
Übergang/Abstand 6. auf
7. Wirbel extrem groß!
Somit gibt es
lediglich Hinweise darauf, dass Sheela mittels Muskulatur, Bänder, Sehnen diese
Defizite auszugleichen sucht.
Ich bin froh, dass die (schulmedizinisch) naheliegendsten Ursachen definitiv
ausgeschlossen werden konnten und weiß nun auch, dass ich meinen "Montagshund"
halt regelmäßig osteopathisch mal richten lassen muss.
Im Übrigen hat Sheela die immerhin eineinhalbstündige Narkose ganz gut
weggesteckt, sie hatte noch ein bisschen Durcheinander im Hirn und pienzte in
einem fort, aber das war nach einem weiteren halben Tag auch vorbei ...
Update, Sonntag, 15. August 2010
Sheela, Gready,
Seelenhund … Du lachst wieder!
Du lachst mich an,
Kenzie, andere Hunde, andere Menschen, es fällt diesen sogar richtig auf. Du
forderst Mensch und Hund mit schief gelegtem Kopf und leisen Wuff zum Spielen
auf, Du rollst Dich wonnig im Gras, Du liegst am Rand des Hundeplatzes und
kannst ganz gelassen mir und Kenzie beim Agility zuschauen, keine Sabberfäden
ziehend, kein wehmütiger Blick.
Du hast viele
weitere osteopathische Behandlungen hinter Dir, Du freust Dich jedes Mal darauf,
läufst immer direkt zum Behandlungsraum und schwupps auf den Tisch. Nach
weiteren kinesiologischen Untersuchungen, hat unsere Tierärztin empfohlen, nun
auch die psychische Ebene mittels homöopathischer Komplexmittel mit zu
behandeln. Ich gebe gerne zu, dass ich von diesen Therapieformen früher weder
was verstanden, geschweige denn gehalten habe. Ich sehe und begreife aber, wie
der ganzheitliche Ansatz zur Heilung, mindestens aber zu Besserung des Zustandes
führt (das gilt auch für Kenzie). Psyche, Physe und Umfeld (in dem Fall mein
Umgang mit der Gesamtsituation) sind beim Genesungsprozess und überhaupt im
Leben offensichtlich nicht voneinander trennbar.
Körperlich bist Du
momentan sehr fit, manchmal machst Du allerdings eine einzige falsche Bewegung
(die ich natürlich nicht sehe) und dann lahmst Du mal wieder, meistens aber nur
sehr kurz. Dein Gesundheitszustand hat einen rundum positiven Status quo
erreicht und nun gilt es, diesen zu halten. Das jedenfalls wünsche ich mir so
sehr für Dich…
|