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Gute Sozialisierung des Hundes und tiefe Bindung an seinen Menschen, sind keine Garantie, aber eine positive Basis für ein gemeinsames, möglichst stressfreies Leben. Jeder Hundehalter wünscht sich einen in seinen Grundbedürfnissen befriedigten, glücklich Hund, der möglichst gelassen durch alle Situationen des Alltags kommt. Ein solcher Hund ist allerdings in der Regel kein Selbstläufer und jeder Hundeführer muss dafür auch ein bisschen was tun. Dabei sollten gutes Futter, ausgiebige Pflege und gesundheitliche Überwachung unseres vierbeinigen Kameraden selbstverständlich sein und sind deswegen auch nicht Inhalt dieses Kapitels.

Meine Hunde nehme ich fast überall hin mit, ins Büro, manchmal auf Dienstreisen, ins Lokal, zu Bekannten und Freunden, auch mal zum Bowlen oder zum Minigolf, in Bus und Bahn und vieles mehr. Insbesondere die Zeit im Büro kann schon mal lang und langweilig werden für einen Hund, also bin ich stets bemüht, die bürofreien Zeiten möglichst attraktiv und interessant für die Hunde zu gestalten. Dies macht es ihnen dann übrigens auch leichter, mal eine Weile allein zu bleiben, ohne sich eine Beschäftigung zu suchen, die nicht in unsere Lebensvorstellung passt. Leider dekorieren viele Hunde schon mal die Wohnung um, wenn sie allein gelassen werden. Häufig, aber nicht immer, deshalb, weil sie schlichtweg unterfordert sind (in anderen Fällen sind sie möglicherweise nicht angemessen an das Alleinsein herangeführt worden).

Es gibt eine Menge Möglichkeiten, den Spaziergang vor dem Büro, den in der Mittagspause und den am Abend  zu einem Event werden zu lassen. Hierfür sind nicht einmal viele „Hilfsmittel“ nötig, ein paar Leckerchen, ein Ball und ein bisschen Phantasie reichen aus. Dabei ist es auch möglich, ein paar Trainingseinheiten der Unterordnung, fürs Apportieren oder Agility etc. einzubauen und Spiel und Spaß mit Ausbildung zu kombinieren. Gelingt es dabei auch noch, den einen oder anderen Trieb des Hundes zu befriedigen, freut der sich möglicherweise aufs Büro, weil er dort ausruhen darf!

An dieser Stelle sei aber auch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass mittlerweile viele Hundeführer ihren Lieblingen ein Dauerprogramm bieten und abverlangen. Dies ist nicht im Interesse unserer Hunde. Solche Hunde neigen dazu, zu überdrehen, werden hektisch und fordern irgendwann nahezu permanent neue Beschäftigung ein. Sie kommen überhaupt nicht mehr zur Ruhe und werden auf diese Art und Weise zu „Problemhunden“. Wir müssen dem Hund auch ermöglichen, einfach nur Hund sein zu dürfen. Der verantwortungsbewusste Umgang mit Spiel, Spaß, Sport obliegt uns Hundeführern!

Nachfolgend ein paar kleine Tipps für das ereignisreiche Gestalten von Spaziergängen (und bitte, alle Übungen müssen so aufgebaut werden, dass der Hund auch eine Chance hat, diese erfolgreich zu absolvieren, ansonsten schlägt das Nichtgelingen in ganz großen Frust um!):

ð Für die ganz Eiligen, die gezielt eine Übung suchen, bitte direkt dem jeweiligen Link folgen: Rechts bei Fuß, Seitenwechsel, "voran", links/rechts, "außen", Fährtensuche, Sichtsuche, Bällchenapport, Memory)

Rechts bei Fuß gehen: gar nicht so einfach, wie man glaubt… viele Hunde sind anfangs sehr verwirrt, wenn sie plötzlich auf der anderen Seite geführt werden. Trainiert wird dies letztendlich genau so wie das „normale“ bei Fuß gehen. Anfangs an der Leine wird der Hund rechts geführt und jedes Mal, wenn der Hund ruhig, stressfrei und uns freudig anguckend in der gewünschten Position geht, bekommt er ein deutliches Lob (oder Click) und ein Leckerchen. Erst wenn der Hund dieses Verhalten sicher zeigt, wird ein entsprechendes Hörzeichen (Kommando) eingeführt. Wichtig ist, dass dies ein ganz eigenes Kommando ist, weil rechts bei Fuß gehen auch eine in sich geschlossene und eigene Übung ist. Klappt dies gut, kann die Leine als Hilfe abgebaut werden.  Rechts bei Fuß gehen sowie ein vom Hund auf Kommando durchgeführter Seitenwechsel können bei Stadtgängen, beim Fahrradfahren und für Reitbegleithunde sehr hilfreich sein.  

Hinter dem Hundeführer auf die andere Seite wechseln: ich habe aus der Not eine Tugend gemacht. Im Agility gibt es Situationen, in denen es vorteilhaft ist, wenn der Hund auf Kommando die Führseite wechseln kann. Hier sind zwei Varianten denkbar. In der einen läuft der Hund locker und freudig (nicht bei Fuß!) auf der einen Seite seines Menschen. Hierbei sollte der Hundeführer ein Motivations- bzw. Triebmittel (Ball, Leckerli) in der zum Hund gewanden Hand halten und den Hund hiermit locken. Ist der Hund dann richtig „wild“ auf den Ball/das Leckerli, wechselt der Hundeführer dieses hinter dem Rücken in die andere Hand. Der eifrige Hund wird dem Triebmittel unmittelbar folgen und kann sofort nach dem Wechsel bestätigt werden. Für schnelle und bewegungsreiche Wechsel empfiehlt es sich, das Triebmittel nicht aus der Hand zu geben, sondern in Laufrichtung nach vorne weg zu werfen. Bei triebigen Hunden kann auch von Anfang an ein Hörzeichen für den Wechsel zum exakten Zeitpunkt des Wechsels eingeführt werden.

Die Anfänge...

 
 

 
  ... und die Fortschritte:  
 

 
 

Sheela wechselt im Laufen und auf Kommando hinter mir die Seite

 
     
  In der anderen Variante sitzt der Hund in kurzem Abstand leicht seitlich versetzt vor seinem Menschen mit Blick auf diesen. Wieder befindet sich ein geeignetes Triebmittel in der zum Hund gewandten Hand. Auf (wieder ein eigenes) Kommando darf der Hund zu seinem Triebmittel, dies wird aber kurz vor Erreichen auch hinter dem Rücken gewechselt und in Laufrichtung nach vorne geworfen. Natürlich eignen sich für diese Übungen Bälle deutlich besser als Leckerlis. Und natürlich sind sie von balltriebigen Hunden schneller und besser zu erlernen, als von Ballmuffeln… Für manche Hunde ist schon die Tatsache, erst auf Kommando Richtung Bällchen losspurten zu dürfen, eine schwierige Aufgabe, trainiert aber auch das mal Warten zu müssen. Nach und nach wird dann der Abstand zwischen Hund und seinem Menschen vergrößert.

So sieht's aus:

 
 

 
 

Immer dem Ball nach - Wechsel hinterm Rücken...

... Schwung holen ...

... und ab in Laufrichtung!

 
 

 
     
 

Voranschicken (nach einem Ball o.ä.), auch über kleine Hindernisse wie niedrige Absperrungen: den Hund auf Kommando nach vorne weg schicken zu können, kann im Hundesport, bei der Dummyarbeit, aber auch beim Fahrradfahren oder Ausreiten mit Hund (Fahrbahnüberquerungen!) sehr nützlich sein und ist wirklich einfach zu trainieren. Ein Triebmittel wird für den Hund sichtbar in einer anfangs kurzen Entfernung vor den Hund gelegt. Erst auf Kommando darf der Hund voran zu diesem. Die Entfernung wird dann ganz allmählich gesteigert. Für Fortgeschrittene kann der Ball auch vom Hundeführer in Laufrichtung geworfen werden. Der Hund sollte dabei  aber ruhig sitzen bleiben und auf sein Kommando warten. Eine wirklich schöne Übung, trainiert sie zum einen die Unterordnung, zum anderen das Voranschicken und befriedigt auch noch den Beutetrieb des Hundes…

Die Kommandos „links“ und „rechts“: sie sind nicht ganz so leicht zu trainieren, da Hunde, um ein vorne links oder rechts abgelegtes Triebmittel zu erreichen, in der Regel gleich diagonal laufen und nicht erst geradeaus und dann links oder rechts. Ich habe es daher ohne Triebmittel aufgebaut und immer dann „Links“ oder „rechts“ gesagt, wenn Sheela in einen ihr bekannten Weg abgebogen ist. Das dauert allerdings lange und muss – wie alle anderen Übungen auch – über häufiges Wiederholen konditioniert werden.

Grundsätzlich festigen sich derartige Übungen natürlich nur über häufige Wiederholung. Ein Hund muss in der Regel eine Übung 40 mal wiederholen, bis er „verstanden“ hat, was wir von ihm wollen und weitere 150 mal, bis alle möglichen Fehler einmal gemacht und korrigiert worden sind.

 Außen um einen Baum, einen Pfahl etc. herum laufen: imposante Angelegenheit, insbesondere wenn der Pfahl auf die Größe eines etwas dickeren Grashalms, der auf einer Wiese hervorsticht, „zusammengeschrumpft“ ist. Das „Außen“ ist eigentlich eine Übung fürs Agility. Hier soll der Hund nicht in Laufrichtung ein Hindernis überspringen, sondern um dieses herumlaufen und von der anderen Seite, also gegen die Laufrichtung, überqueren. Üben kann man dies nahezu überall. Man braucht einen Baum oder Pfahl oder Pylon oder sonst irgendwas, worum der Hund halt laufen kann. Mensch und Hund in Grundstellung stehen gemeinsam unmittelbar vor diesem „was auch immer“. Ein geeignetes Triebmittel wird in der vom Hund abgewandten Seite bereit gehalten. Mit diesem führt man, anfangs eher lockend, seinen Hund um den zum Beispiel Pfahl. In genau dem Moment, wo der Hund sich um den Pfahl biegt und sicher auf das Triebmittel zugeht, führe ich ein entsprechendes Kommando ein, und werfe das Triebmittel in die Laufrichtung des Hundes (also rückwärts von mir weg).  Sowie das zuverlässig funktioniert, beginne ich – gaaannnz langsam - die Entfernung zu steigern. Sehr schwer zu beschreiben, daher auch hier mal ein paar Fotos.

 

 
 

 

     
   
     
     
  Fährtensuche nach einem Ball (Leckerli): Auch hier gilt, am Anfang nur über ganz kurze Entfernungen trainieren! Der Hund muss ja erst einmal verstehen, was er machen soll und das am Ende der "Fährte" auch sicher die "Beute" liegt! Für diese Übung setzen wir unseren Hund ab, zeigen ihm sein Triebmittel, entfernen uns wenige Meter mit diesem vom Hund und legen es ab. Das Ablegen erfolgt deutlich sichtbar für den Hund (also das Bücken), das Triebmittel selbst muss nicht deutlich sichtbar sein (sondern zum Beispiel im hohen Gras, der Hund soll ja das Suchen lernen!). Danach gehen wir zurück zu unserem Hund (ich verlange Grundstellung) und schicken ihn mit irgendeinem neu einzuführenden Kommando auf die Suche… Wenn der Hund sicher sein Spieli/Leckerli sucht und findet, beginnt man die Entfernung langsam zu steigern, baut die erste Kurve ein (einen (!) Schritt nach links oder rechts) und legt das Triebmittel hinter einen Baum oder ähnliches. Funktioniert dies zuverlässig, bewege ich mich erstmalig zum Ablegen des Triebmittels aus der Sichtweite meines Hundes (also zum Beispiel hinter den Baum) und lege es für den Hund unsichtbar weg (nicht wegwerfen, das Triebmittel liegt am Ende „meiner“ Spur!). Achtung, um den Hund nicht unnötig zu verwirren, merke ich mir genau meine Spur (Wurzel oder Baum links, Pfütze rechts…) und gehe auf genau dieser zurück zum Hund. Dieser wird grundsätzlich nur aus der Grundstellung heraus geschickt. Der weitere Ausbau dieser Übung ist dann natürlich die Steigerung der Entfernung, der für den Hund nicht einsehbare Teil wird allmählich länger, die Kurven werden mehr. Da ich gerne zuschaue, wie mein Hund arbeitet, verschwinde ich beim Fährtenlegen sehr schnell in den Busch. Ich arbeite häufig in Obstbaumplantagen, gehe nur rechte Winkel und zähle hierfür die Bäume aus. Ist der Hund dann losgeschickt, hocke ich mich hin und beobachte die Laufroute des Hundes…

Die Einsteigerübung (anfangs bitte auf kürzere Distanz)

 
 

Angel wird abgelegt und Mike "versteckt" deutlich sichtbar den Ball. Angel kann den Ball auf die Entfernung und im hohen Grass nicht sehen

 
   

   
 

Mike geht zurück zu Angel (alleine bis hierher ist dies eine schöne Steadyness - Übung)

 
 

 
 

Angel wird geschickt und muss suchen. Danach bringt sie den Ball zurück.

 
 

 
  Wenn der Hund das Prinzip verstanden hat, wird er, wenn es etwas schwieriger wird, lernen, der Fährte seines Menschen zu folgen.

 

 
 

Sichtsuche nach einem Ball (Leckerli ist hier definitiv nicht geeignet): eine vergleichsweise einfache Übung, fördert aber Grundgehorsam und Suchen. Mit dem Hund in Grundstellung wird ein Ball für den Hund in schwer überschaubares Gelände geworfen (hohes Gras, Buschlandschaft) und der Hund dann zum Suchen geschickt. Diese Übung kann man beliebig erschweren… Man kann den Ball über Hindernisse werfen (umgestürzte Bäume), in einen Baum hängen (natürlich in greifbarer Höhe… Hunde müssen das Suchen „oben“ auch erst lernen), über einen Bach (Hund kann durchgehen) oder ein Flüsschen, wo der Hund nicht ohne Weiteres durch kann (z.B. zu steiles Ufer), aber ganz in der Nähe eine Brücke ist, die er nutzen kann. Hier kann man/frau echte Herausforderungen für kleine Schlaumeier ausbaldowern…

Eine weitere schöne Übung ist das Bringen von ein, zwei, drei, vier Bällen in einer vorgegebenen Reihenfolge. Der Hundeführer (oder ein Begleiter) wirft für den Hund ein bis xxx Bälle, während dieser brav in Grundstellung auf seinen Einsatz wartet. Auf eindeutiges Hörzeichen (es geht los) und Sichtzeichen (in diese Richtung) hin, soll der Hund nacheinander die Bälle bringen. Auch diese Übung muss natürlich langsam aufgebaut werden, erst mit einem, dann zwei und so weiter Bällen. Und, ganz wichtig, alle Übungen müssen durch uns Hundeführer so aufgebaut werden, dass der Hund sie auch erfolgreich absolvieren kann.

Und zum Abschluss, „meine“ Königsklasse, das Memory (in unterschiedlichen Varianten): sehr anspruchsvoll, aber auch sehr spannend für die Hunde ist die quasi Kombination aus alledem… Bitte, nur anfangen, wenn alle Teilübungen sicher sitzen, wenn ihr sicher seid, dass der Hund die gesamte Aufgabe auch abarbeitet und nicht zwischendurch „stiften“ geht, wenn ihr in absolut sicherem Gelände unterwegs und so positioniert seid, dass ihr den Hund immer im Blick (und Zugriff) habt… Für diese Übung wird Ball (alternativ ein Leckerli) für den Hund auf Sicht geworfen oder positioniert. Zusammen mit dem Hund, der hierfür schon sehr triebig auf das ausgelegte Triebmittel sein sollte, entfernt man sich von diesem. Ich entferne mich, je nach Sichtverhältnissen, gut vier- bis fünfhundert Meter. Auf diesem Weg mache ich allerlei Übungen der Unterordnung, Sitz, Platz, Bleib, Fuß, Kehrt, Hier usw., usw.  Danach schicke ich den Hund aus der Grundstellung heraus zurück zum Triebmittel, manchmal sogar, indem ich den Hund af halben Weg noch einmal abrufe. In diese Übung kann man so ziemlich alles „reinpacken“ und der Hund wird am Ende mit einer Triebbefriedigung belohnt…

Kurz noch mal zusammengefasst: Alle Übungen müssen sukzessive aufgebaut werden, sie müssen immer (!) mit einem Erfolgserlebnis für den Hund beendet werden (dafür muss ich als Hundeführer sorgen, gegebenenfalls mache ich am Ende eine Übung, von der ich absolut sicher bin, dass sie für den Hund erfolgreich ist), wir entscheiden, wann es losgeht und wieder vorbei ist, und wir (!) lassen dem Hund ausreichend Zeit, nur Hund sein zu dürfen!

Übrigens, Schwimmen ist natürlich auch eine tolle "Draußen"-Beschäftigung...

 
 

 

   

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Update April 12